Läck! Habe ich gut und lang geschlafen. Erst heute Morgen begreife ich, wie ausgelaugt ich gestern wirklich war. Eine schön kühle Dusche und ein mega feines Zmorge und die Welt sieht ganz, ganz anders aus. Das Rennen geht aber sogleich los, denn ich habe ”nur” zwei Tage am Steg und will dann raus an den Anker. Also muss alles was schwer ist oder dringend an Land gemacht werden muss, jetzt erledigt werden. Dazu ist da ja noch diese wundervolle Stadt. Bin nicht das erste Mal hier, doch ich habe sie wirklich in mein Herz geschlossen und liebe es, einfach so durch die Strassen zu spazieren und die prächtigen Häuser anzuschauen. Jetzt, jetzt muss ich endlich die Bilge putzen und das Altöl entsorgen. Liegt der Kanister doch schon einige Zeit in der Bilge. Done! Dann fährt ein Bus zur Westmarine. Auch da währe es ideal, all das nötige Zeugs jetzt zu beschaffen. So hüpfe ich pünktlich um elf in den Bus und nach ein paar Minuten durch die Stadt, setzt uns der Fahrer direkt vor dem Shop ab. Einfach Hammer. Daneben auch noch ein Futterladen. “Gräme” So suche ich eines nach dem anderen von der grossen Liste im Laden ab. Finde fast alles. Natürlich sind die wichtigen Sachen nicht hier. Doch sie helfen mir ausgezeichnet, um eine Lösung zu finden. Fertig! Raus und direkt in den Supermarkt noch ein paar Dinge zu ersteigern. Denn der Kühlschrank hat arg gelitten. Frisches Zeugs habe ich fast nicht mehr und so ist es nicht erstaunlich, dass meine drei Taschen überquellen. Zum Glück bin ich am Steg und muss das schwere Zeugs nicht auch noch ins Dinghy wuchten. Kurz den Nachbarn meine Büx zeigen und schon bin ich wieder unterwegs in die Stadt. Suche einen Laden fürs Büro und finde einen ersten Starbucks. Netz, feinen Kafi und was zu essen. Das Büro ist eröffnet 😉

Es steht viel im Büro an

Ein paar Tage nicht nach dem rechten geschaut und schon ist die Hölle los. Doch habe ich auch die Genugtuung, gebraucht zu werden. War nicht ganz einfach, nach dem sensationellen Törn wieder allein unterwegs zu sein. Schwups, vergeht die Zeit und in der Nachbarsbeiz gönne ich mir einen kurzen Znacht. Für mehr mag ich gerade nicht suchen.

Kleiner feiner Znacht

Draussen geht wahrlich die Post ab. Das Wetter spielt völlig verrückt und morgen soll es nur noch 11° warm sein. Bin einfach froh, hier zu sein. Doch will ich ja vor Anker. Vis-a-vis ist noch Platz und auch gut geschützt. Ich bin wieder früh im Bett und schlaffe hervorragend.

Dann ist schon wieder Sonntag. Nach dem Zmorge oder besser während des Zmorge ein Telefon nach dem anderen. Habe ich doch schon lang keine Verbindung mehr gehabt und so geniesse ich die Gespräche. Doch der Strom kentert gleich und ich sollte weg. Um zehn Uhr lege ich ab und verhole ein paar Meter weiter in den Schlamm. Der Anker fasst direkt und gut. Ich habe noch mit dem Nachbarn abgemacht und rudere gleich wieder los. Rund um alle Stege an den weit hinten liegenden Dinghy-Steg. Kurze Besichtigung seines Schiffs und dann hat er auf einmal keine Zeit mehr. Er will morgen los und muss noch einige Sachen erledigen. So staune ich nicht schlecht, als mein “neues” Boot vorbeikommt. Was für ein Ding!

Mein neues Boot ;-)

Komme aber nicht sehr weit, traue ich meinen Augen fast nicht. Da steht wahrlich die Maiden am Steg. Sie sind gerade von Miami angekommen und es ist wahrlich das original Boot, das seinerzeit beim Volvo Ocean mitgemacht hat. Notabene die erste Freuencrew überhaupt. Riesen Geschichte und jetzt sammeln sie für die Ausbildung der weiblichen Segler.

Die Maiden im Hafen

Kann mich fast nicht losreissen, bin vollkommen fasziniert von der Mannschaft, natürlich alles Frauen und der kleinen Masse des Hochsee-Kahns. The Maiden Factor

Schlendere durch die Stassen und finde ein herziges Café. Setze mich an den Reserve-Tisch, denn die Beiz ist gestossen voll und geniesse ein feines Kafi. Dazu muss ich noch diverse Teile bestellen. Nur wo soll ich das Ganze hinsenden? Charleston? Norfolk? New York? Und welche Marina darf es denn sein? Dann kommt mir die Idee, dass der TO doch immer wieder angeboten hat, dass man die Adressen der Stützpunkte dafür anfragen kann. So ist das E-Mail schnell nach NY geschickt und die Antwort kommt prompt. Kein Problem. So lege ich los und organisiere die Frachten. Gehe noch einmal zu den Nachbarn und er zeigt mir sein Reich. Komm doch vorbei, wenn wir wieder zu Hause in NY sind. Warum nicht? So rudere ich zurück zum Boot, sage aber noch kurz Hallo bei Schweizern, die auch vor Anker sind. Wir verstehen uns fast zu gut und unterhalten uns prächtig. Die Zeit verrinnt und so rundere ich erst weit nach Mitternacht zurück zur Ulalena. Es reicht gerade noch in die Koje zu kommen und schlafe augenblicklich ein.

Am nächsten Tag bin ich schon früh auf, trotz der kurzen Nacht und rudere etwas schwerfällig dem Steg entgegen. Doch das Büro ruft. Viel zu erledigen und auch der Blog sollte dringend auf Vordermann gebracht werden. Dazu Rechnungen und viele E-Mails beantwortet werden. Es ist wirklich kalt geworden und das Thermometer zeigt keine 15°, als ich rauskomme. Der Kopf voller Sachen, laufe ich zum Steg zurück. Vieles erledigt. Glücklich.

Immer wieder an wunderschönen Häuser vorbei

Doch die Stadt habe ich noch überhaupt nicht gesehen. Doch es wird Mittwoch, bis das Wetter mitmacht und ich mich richtiggehend losreissen kann. Ich habe einen Führer für die Stadt gebucht. Tja, keinen Menschen, nein, die sind momentan alle ausgebucht, sondern über VoiceMap. Beim Start, natürlich bei der berühmten Marktstrasse, starte ich.

Markt-Street, Start der Führung

So legt die Stimme los und erzählt viele spannende Geschichten über die Entstehung dieser Stadt. Weiter gehts zum nächsten Ort. Eine Karte auf der App zeigt mir den Weg. Pause, umherschauen kann man jederzeit. Ich bin regelrecht begeistert von dem Ding. Die machen das wirklich gut. Ein paar Stationen weiter, finde ich endlich den schönen Ananas-Brunnen. Zweimal habe ich ihn übersehen.

Ananas-Brunnen in der Mitte

Das ist ein cooles Zeichen, das immer mal wieder in die Stadt als Geschenk von den Schiffen aus der Karibik mitgebracht wurde. Gastfreundschaft pur, so eine schmackhafte Ananas. Weiter kreuz und quer durch die Stadt. Bei dem Sklaven-Museum werde ich dann doch etwas nachdenklich. Was hier wirklich abgegangen war, lässt sich nur schwierig erahnen. Ich lasse den Guide erzählen und will das Museum aber erst nachher besuchen.

Der alte Sklaven-Markt

Durch die wunderschöne Church-Street komme ich wieder in die Mitte der Stadt. Die Strasse ich wirklich einmalig. Mit all den schön hergerichteten, renovierten Häuser und den “Töggel” Strasse, Hammer!

Die Church-Street, hammer

So renne ich noch ein paar mal durch die Stadt. Zurück beim Sklave-Markt lese ich die tragische Geschichte der Afrikaner. Wie das zu und herging und wie die “Ware” an den Mann gebracht wurde. Unfassbar und das passierte erst vor ein paar Jahren. Aber eben, das Ganze ist leider auch heute noch aktuell, wie ich den Plakaten entnehmen kann. Da muss ich noch etwas Schönens sehen und will darum das Aquarium doch noch einmal ansehen. Es ist auf der anderen Seite. Die Sonne brennt und so ist auch der Durst gross. Muss dringend etwas trinken. Der Eintritt ins Museum ist wacker, doch das Meiste geht für einen guten Zweck, die kranken Schildkröten, in die Kasse. Die Zusammenstellung der Fische ist wirklich sehr gelungen und natürlich die Krankenstation der flotten Schildkröten übertrifft alles. So kann man alle Daten der Tiere direkt einsehen und verfolgen, wie es ihnen geht. Fertig! Muss raus. Ich bin völlig flach. Müde vom wandern und lesen. Am College vorbei, laufe ich zur Banane.

Das Collage hat einen schönen Garten

Morgen Donnerstag will ich in der Stadt noch ein paar Dinge erledig und dann los. Aussenrum oder doch den ICW hoch. Das Wetter, der Wind mag nicht so recht mitmachen. So will ich den Kanal hoch. Zeit ist es schon, doch wie zuvor erwähnt, habe ich mich in diese Stadt verliebt. So durch die Strasse zu spazieren und immer wieder etwas Neues zu entdecken, so habe ich erst nach ein paar Tagen festgestellt, dass ein Haus besonders schief in der Gegend steht. Auch die Leute sind sehr angenehm, trotz der vielen Touris. Weiter gehts. Schreibe noch einen Blog und zurück auf dem Boot, will ich den Anker testen. Denn in der Nacht habe ich ein Rasseln gespürt, gehört. Denke, ich sitze fest. Klar hat es hier besonders viel Müll am Boden, doch meinen Platz habe ich weit draussen ausgesucht. Doch nichts war damit. Keinen Meter bekomme ich das Ding hoch. Sch…. Zum Glück habe ich schon mal vorsorglich die Nummern der Taucher aufgenommen. Dem Ersten rufe ich nun gleich an, ja, habe morgen Zeit. 11 Uhr passt, am Steg. Die Zahlen rollen schon mal. Dabei habe ich momentan wirklich überhaupt kein Geld für solche Sachen. Warum immer ich? Denke ich laut. Genehmige mir einen feinen Käse und mache es mir im Cockpit gemütlich. Schaue auf die Stadt und fühle mich einsam! Auf einmal bin ich allein und habe niemand, dem ich meine Sorgen mitteilen kann. Klaube ein Buch aus dem Schafft und lese.

Der Taucher ruft an, ich renne, rudere zum Steg und hole ihn ab. Uuuuu sein Gleichgewicht ist nicht so und mit der ganzen Montur, ist es erst recht schwierig, in der Banan zu sitzen. Doch wir schaffen es zum Boot und schwupp ist der Anker wieder an Bord. Um einen grossen Mooringblock und auch die Reste eines Mastes habe ich eingefangen. Ich bin aber glücklich und ankere nun fast im Kanal. Rudere den sehr hilfsbereiten Taucher an den sicheren Steg und bezahle meine Zeche. Nicht gar so teuer, aber es schmerzt heftig. Auch dass die Ankerwinde etwas Federn lassen musste, kommt auch noch dazu. Das sollte ich dringen mal besser festschrauben. Die Banane aufladen, Anker hoch und weit draussen, unten will ich die Nacht verbringen. Der Wind ist etwas heftig, doch der Pickel hält wieder perfekt. Habe ich wieder was eingefangen? Nein, nein, doch ich währe nicht der Erste, wie mir Ken bestätigt hat, und hier sollte man wirklich niemals ankern. Es hat extrem viel Zeugs am Boden, gleich neben der Marina. Zuerst mache ich mir einen feinen Znacht und bewundere die Stadt von einer anderen Seite. Morgen, morgen früh, gehts mal wieder den schmalen Kanal hoch. Mal schauen, wie weit ich komme.

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