Es gibt einfach Tage, da studiert man viel zu viel und überlegt sich Sachen, die dann ganz sicher schiefgehen. Heute, es ist fast Hochwasser, noch zwei Stunden bis dahin. Doch ich habe ja genügend Wasser, wie ich ja beim Hereinkommen in die schmale, untiefe Einfahrt von WoM gelernt, getestet habe. So alles ready, Motor an, läuft gut, Wasser kommt. Ich bin gerade bei einer Tiefe von 1.70 Meter – komm ich werfe den Gang rein, damit ich nicht auf Flache treibe. Gesagt, getan. Nach vorn und will die Leine für die Boje lösen. Rums – und drin bin ich, oder besser hänge ich mit dem Ruder an dieser blöden, langen, zusätzlichen Flasche. Tauchen? Nö, nur drehen und kurz Gas geben – falsch! Die Leine wird wunderschön um den Propeller gewickelt und der Motor wird sofort abgewürgt! Also doch tauchen. Motor aus, Boot festmachen und die Brille anziehen und runter. Zwei, dreimal runter und los bin ich. Schwein gehabt. Mit meinem Schutzengel währe mir das doch nie passiert?! Kein Ahnung, bin einfach froh, dass ich raus bin. Tuckere nun ohne Problem dem Kanal entlang und die schmale Passage raus aufs Meer.

Draussen bin ich. Ganz schön eng hier

Setzte etwas Genua und gurke superentspannt der Hauptstadt Marsh Harbor entgegen. Es ist eine grosse Bucht, doch die Tücke ist bei den unzähligen Untiefen. Es ist überhaupt nicht tief und man muss schon genau schauen, wo man sich hinsetzt. Ich umrunde schon bald die letzten Ausläufer der grossen Halbinsel und befinde mich im Anflug zur grossen Ankerbucht. Es hat schon ein paar hier liegen und mit der guten Navionics Karte finde ich schnell einen Platz für die nächsten paar Tage. Es ist Dienstag und die Familie kommt ja am Sonntag. Muss aber noch Wäsche waschen, Diesel auffüllen und Wasser holen. Dazu sollte ich noch eine SIM-Karte vom BTC holen, der lokalen Telefonfirma und einkaufen. Uff – viel zu tun. Doch ich freue mich wie ein Spatz auf die Gäste. Hoffe nur, dass es mit dem ganzen Covid-Ding auch klappt. Bin aber guter Dinge.

Setze mich aber vorerst ins Cockpit und gönne mir einen Apéro, Gin-Tonic und ein paar Oliven. Dazu verschwindet die Sonne. Gewalt’s Stimmung.

Gute Nacht du schöne Sonne

Znacht? Keine Lust. Viel zu schön hier draussen 😉

Am nächsten Tag ist aber Vollgas angesagt. Dinghy beladen mit Abfall und diversen Taschen für den grossen Einkauf. Rudern ist etwas Schönes, wenn nur diese fiesen Wellen nicht währen und permanent das kleine Ding mit Wasser füllen.

Heftig am rudern, hinten kommt das Land

Doch ich schaffe es locker ans Dock, passt mir aber nicht, da raufzuklettern und setzte die Banane in den Sand. Ziehe es weiter rauf und binde es fest. Die Erkundung kann losgehen. Dazu habe ich noch zwei Kanister mit Altöl. Die kann ich sicher irgendwo entleeren. Doch, falsch gedacht. Die Tankstellen nehmen das alte Zeugs nicht und in den noch nicht ganz fertigen Marinas, gibt es so was noch nicht. Schussendlich muss ich die immer schwereren Dinger bis zum grossen Hafen schleppen, bis ich einen freundlichen Mann treffe, der mir das klebrige Zeugs in einen Tank füllt. Danke! Weiter zum Memorial für Dorian. Muss am Abend nochmals die Bilder von dieser Tragödie anschauen, bis ich nur annähernd begreife, was hier im 2019 wirklich alles flach gewesen ist. Auch Tote waren zu beklagen und hier am Strand wurde eine schöne, eindrückliche Gedenkstätte erstellt.

Dorian 2019

Wir hatten ja um die Ulalena in Beaufort gebangt, aber was hier los war, kann man nicht im Ansatz begreifen. So ziehe ich weiter auf der Suche nach dem Maxwell’s. Der grosse “Migros”. Aber mehr oder weniger sehe ich nur kaputte Häuser. Vereinzelt stehen wieder ein paar davon, aber weit weg von der alten Pracht. Offen haben nur ganz wenige Shops. Doch “zuhinterst” finde ich dann einen ausgezeichnet sortierten Laden. Daneben der BTC. Die SIM-Karte ist eine einfache Sache und die nette Dame hilf mir ohne Problem mit dem Einrichten. Wieder was weniger. Rein ins Vergnügen! Ich staune nicht schlecht, als ich die Tonnen von feinen Sachen sehe. Wow, das hätte ich aber nicht erwartet. Doch die Preise sind nicht ganz ohne. Fast wie in der Schweiz, denke ich, als ich mir mal wieder etwas Beeren gönne. Finde alles, was ich benötige und natürlich noch ein paar spezielle Getränke für die Gäste. Alles in den Rucksack laden und die Taschen. Beim Zurücklaufen werden sie immer schwerer! Warum habe ich nur so viel eingekauft? Rein ins Dinghy und zurück aufs Boot. Kühlschrank füllen und zurück an Land. Diesmal mit dem leeren Dieseltank. 25 Liter sollten reichen. Doch zuerst fülle ich den Inhalt in den Tank. Die Tankstelle habe ich schon inspiziert und fülle die sieben Gallonen auf. Der Preis? Der wird vermutlich gewürfelt, denn er ist schon etwas gar hoch. Tja, die lieben Touristen kann man schon etwas übers Ohr hauen. Das Teil ist dermassen schwer. Der halbe Kilometer scheint eine Ewigkeit zu dauern. Aber auch das ist geschafft und wieder in der Backskiste versorgt. Und erneut zurück – hängt langsam ganz schön an. Doch was gemacht ist, ist gemacht. Denn es stehen die Ostern vor der Tür und keiner weis so recht, wann was offen ist. Aber diesmal nur auf einen feinen Burger und ein Kalik ins Color’s. Es ist eine feine, nette Beiz, direkt am Strand vor den Booten. Ideal also 😉 Endlich was zu Essen, ein feines Kalik und Wifi! Mehr brauche ich gerade nicht und bin super happy, dass ich fast alles bekommen habe. Der Waschsalon habe ich auch schon angeschaut und morgen kann ich dann noch alle meine Wäsche bringen.

Ganze zwei übervolle Taschen schleppe ich am nächsten Tag, es ist schon Donnerstag, zum Bubble Ding. Bekomme eine Maschine zugewiesen und fülle – halt viel zu viel, kommt die nette Dame mir zu Hilfe. Da braucht es ganz sicher deren zwei. Okay. Bezahlen und laufen lassen.

Cooler Waschsaloon

Währenddessen hole ich im “Migros” noch die letzten Sachen. Auch eine neue Schraube hole ich mir im recht guten Hardware-Shop, der gleich im Maxwell’s integriert ist. Wäsche ist fertig und zurück an Bord. Versorgen, aufräumen und bereit machen. Pause – wahrlich eine Pause verdient. Setzte mich ins Cockpit und lese. Ja, lesen ist wirklich super für die Ablenkung und auch die Stimmung kommt gegen Abend wieder zurück.

Was für Farben!

Am nächsten Tag kommt dann der Regen, das Gewitter, die Böen. Der Tag ist wirklich mega schlecht. Es “seicht” wie verrückt und die Ulalena wird gedreht und verblasen. Der Anker hält super gut und kein Wasser kommt rein. Das Dinghy füllt sich langsam und auch für den Wassertank sammle ich das feuchte Etwas. Dazu lese ich fast den ganzen Tag. Dann kommt am Abend noch ein gewaltig schöner Regenbogen daher. Einfach wunderschön, den ganzen Bogen sich anzuschauen, nach diesem miesen Wetter! Exzellent!

Gewaltiger Bogen

Heute Samstag muss ich wieder laufen gehen. Es zieht mich förmlich raus, an Land, auf die Strasse. Viel zu viele Gedanken drehen sich gerade. Es ist etwas heiss, macht aber nichts. Ich habe ja ein mega gutes Shirt gekauft, das wirklich ausgezeichnet schützt und die UV-Strahlen abhält. Auf der langen Halbinsel sehe ich die vielen zerstörten Häuser und Anlagen. Die, die Geld haben und die Unterstützung vom Staat, wenn überhaupt, haben schon viel aufgebaut, doch daneben sind viele noch am Boden. Eines sieht ganz verrückt aus, nur noch die gemauerte Wand steht und das Geschirr ist immer noch an seinem Ort. Wahnsinn!

Alles kaputt! Nur die Wand steht noch

Der Kopf ist wieder leer und so freunde ich mich mit einem – Hund – an 😉 Der läuft mir schon eine ganze Weile hinter, oder besser neben mir her. Streicheln? Nö, aber reden schon.

Neuer Feund

Hier soll es einen guten Spot zum Schnorcheln haben. Das wäre doch was für die “Neuen”! Einen Tag zum Eingewöhnen und zu planschen. Es hat sehr viele Leute und Boote rund um die gesetzten Bojen. Das könnte etwas sein und spaziere wieder zurück. Oder doch nicht? Gehe noch die Fährstation anschauen. Oder hat es da etwas zu Essen? Nein, falsch, nur ein Automat und haufenweise wartende Tourist und Einheimische. Doch zurück. Nur noch einmal schlafen, dann kommen sie. Am Sonntag blogge ich noch etwas, um die Nerven etwas zu zügeln. Die Nachricht, dass sie bereits in Miami sind und den Flug nach Marsh Harbor ohne Probleme erwischt haben, macht mich sehr, sehr glücklich. Sie kommen wirklich! Hammer. Packe die Tasche, Rucksack und laufe zum Flughafen. Das Dinghy ist schon mal gut parkiert.

Schön warten, kommen bald wieder ;-)

Vorbei am “kurrligen”, erschreckenden Schiff, dass es auf unbekannte Weise mitten in die Stadt geschafft hat.

Was für ein Parkplatz

Wow, ist das heiss und überhaupt kein Schatten entlang der öden Strasse. Doch ich bin viel schneller da als gedacht. Ich bin bereits über eine Stunde früher am Start. Etwas Bargeld und was kleines Essen. Sie können kommen!

Eingang zum Flughafen von Marsh Harbor

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