Schwer, schwer ist das Aufstehen, geschweige denn das Aufwachen Heute morgen. Es ist Dienstag, 30. Mai und wir legen um 6:05 Uhr in Pylos ab. Gaby ist wie immer gut eingepackt und bereit für die nächsten vier Tage.

gut eingepackt

Mit etwas über 16° ist es recht kühl und ganz verträumt schauen wir uns den Sonnenaufgang über Pylos an.

sonnenaufgang

Schön, einfach nur schön. Die lange Dünung setzt ein und auch der Wind fängt an zu blasen. Alle Segel setzen und gemütlich gurken wir Malta, der neuen Welt entgegen. Dann auf einmal, um zehn Uhr, ein knacksen. Das war der Autopilot! Ich schraube das Gitter weg und sehe den Fehler gleich. Der Helmstock, also dort wo der Autopilotzylinder am Ruder befestigt ist, ist halbseitig gebrochen! Der erste Gedanke ist, umdrehen und flicken. Aber was, wie, wo kann man da was machen in Pylos? Brauche ich nicht ein neuen Helmstock oder kann man den alten schweissen? Wir setzen uns kurz hin und überlegen, während die Ulalena ihre Bahnen zieht. Alles passt! Wetter, Wind, Wellen und wir sind mega Fit für die Überfahrt und jetzt das. Wir bauen den alten Autopiloten wieder ans Rad. Genau, das ist die Lösung. Ich hänge den neuen ab und bastle ein paar Minuten. Fertig. An den 12v Autostecker anschliessen und? Problemlos, wie wenn er nie weg gewesen währe.

radpilot

Pause, ich brauch erst mal eine Pause. Weiter gehts. Der Wind hält sich Super und so drehe ich den ersten Film. Segeln pur mit dem Windpilot als Steuermann.

Gegen Abend wird der Wind immer schwächer und so muss der alte, neue Autopilot wieder steuern. Wir essen Znacht und träumen vor uns hin. Alles bestens. Kurs und Geschwindigkeit passen. Die Nacht ist ruhig und wir können im Stundentakt schlafen oder besser ich kann das, den Gaby schläft wie ein Murmeltier auf ihrem grossen Bett im Salon.
Morgens um sieben haben wir schon die ersten 113 Meilen hinter uns. Der Wind verlässt uns nun endgültig und so motoren wir in Richtung Westen. Der Schiffsverkehr lässt uns einfach nicht in Ruhe. Von überall tauchen die grossen Biester auf und erschrecken uns immer wieder.

1200 fuss

Auf dem AIS haben wir schon immer alles unter Kontrolle, aber wen so ein 1200 Fuss Monster etwas zu nahe kommt – eindrücklich. Wir machen uns einen Tee und schauen dem Treiben zu.

tee

Gaby hat wieder Attacken und ich füttere sie mit Tabletten. Jetzt geht es wieder und sie schlummert seelenruhig vor sich hin. Sonst passiert Heute nicht viel. Die Routine pendelt sich langsam ein. Essen, Schlafen, Kurs checken … und lesen.
Nachtessen. Grossen Hunger. Gaby wünscht sich ein Omelette. So starte ich den Herd und brutzle uns feine Scheiben. Eine Büchse Pfirsiche dazu. Lecker.

omlette

Am dritten Tag haben wir schon den Bergpreis. Jetzt geht es bergab. Das Wetter ist immer noch sehr, sehr ruhig. Keinen Wind und keine Wellen plagen uns, aber die Grossen rundherum, schon etwas nervig.

ais traffic

Ich lade noch über den Funk, SSB, die neusten Daten herunter und auch da ist nicht viel Neues. Schwach bis zur geplanten Ankunft am Freitag. Schon komisch, zum Teil haben wir fast einen Knoten Strömung, dann gegen Abend ist der Spuck wieder vorbei und fast wie Rückenwind treiben wir Valletta entgegen. Was soll’s. Wir holen unser Buch wieder hervor und lesen. Schön, jetzt haben wir Zeit und vertiefen uns gerade in die Geschichte von Corelli’s Mandoline. Traurig und trotzdem wunderschön. Kefalonia kennen wir ja recht gut.

Der vierte Tag ist angebrochen. Logbuch, 7:20h, W 3.0, 21.3°, 1021 hPa und die 324.1 Meile. Somit sind es nur noch dreissig Meilen bis zur Insel. Einen feinen Tee und die letzten Vorbereitungen laufen schon. Flaggen wechseln.

flaggenwechsel

Dann kommen schon die ersten Ankerlieger, die weit, weit vor der Insel liegen. Schon kurrlig, aber wir haben nur etwas mehr als 50 Meter unter dem Kiel.

ankerlieger

Noch zehn Meilen bis zur Hafen einfahrt. Der Zeitplan stimmt. Wir wollen einfach an diesem Freitag vor Büroschluss zum Zoll kommen und das sollten wir genau treffen. Wir sind total aufgedreht und können es kaum erwarten. Auf der anderen Seite ist es schade, dass es schon zu Ende ist. Da, da kommt die gewaltige Stadt.

valletta hafeneinfahrt

Wir werden total überfahren. So viel kommt auf uns zu. Häuser, Menschen und viel, viel Trubel.

altstadt

Funk, Karte, Tiefe und Fotos. Hilfe!

mariakirche

Auf der Marsamxett-Seite versuchen wir unser Glück. Ganz zuhinterst ist die beste und ruhigste Marina von allen. Msida wir kommen. Das ist sie schon. Wo ist das Zollpier? Vor lauter Schiffe sehen wir gar nichts. Aufruf an die Marina. Nichts. Wir kreisen. Nach dem fünften Aufruf, eine überaus nette Stimme die uns empfängt. Waren die alle in der Mittagspause? Zwei Marinerios kommen mit dem Schlauch auf uns zu und begleiten und zu unserem neuen Zuhause. Was ist den mit dem Zoll? Kein Problem, ist an eurem Steg und das kann auch bis morgen warten. Da hatten wir uns doch wieder einmal viel, zu viele Gedanken gemacht. 15:00 Uhr, nein halt, er hat was von zwei gesagt, haben die eine andere Zeitzone? Genau, wir sind wieder auf der Berner-Zeit. Wir legen an, Mooringleinen fest, Motor aus – wir lassen uns fallen. Hey, wir haben es geschafft, sind in der neuen Welt angekommen! Geht aber gleich weiter. Wir können nicht raus! Das Gatter braucht auf beiden Seiten einen Schlüssel. Also, alles auf den Steg, Stuhl montieren und den Töff daran. Zoll-Sachen einpacken und schon stehen wir auf dem Land.

unser steg

Der Zoll ist wirklich gerade am Stag und von einem supernetten Zöllner werden wir begrüsst. Er füllt für uns sogar den Zettel aus. Sind wir im Himmel? Den es gibt keine Kosten und die sind alle so freundlich. Dann rollen wir weiter zum Office und erhalten Schlüssel, Karten und Infos über die Marina und die Stadt. Danke, zurück auf der Ulalena, brauchen wir nun endgültig eine Pause. Ein Bier, einen Drink und vor lauter staunen sind wir hin und weg. Malta, Valletta wir sind da!

4 Comments

  1. Hallo ihr Lieben

    Danke für euren Reisebericht. Ihr seit schon weit gekommen.
    Gaby ausser den Attacken (Spastik?) hoffe ich, dass es dir gut geht.
    Ich wünsche euch weiterhin eine gute Reise.

    Herzliche Grüsse Irene

    1. Danke Irene und Gerngeschehen!
      Leider ist der der Gesichtsnerv den Gaby plagt. Geht aber wieder viel besser.
      Gruss aus dem wunderschönen Scario,
      Gaby & Andy

Leave a Reply to Erwin König Cancel reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *