Es ist Mittwoch, der 18. Mai und ich versuche mein Glück, von Wrightsville Beach loszukommen. Die anfängliche Idee, es hier vor Anker zu reparieren, habe ich in den Wind geschlagen. Und warum nicht Hilfe annehmen? Nicht ganz einfach im Moment, denn der Anker von Hand zu betätigen – Mordsarbeit! Denke ich und werfe kurz nach sechs Uhr den Motor an. Oder doch nicht, nein, nein. Zuerst mal die ganze Kette, also über 25 Meter, einholen. Hand über Hand kommt das schwere Ding in den Kasten. Jetzt nur noch den Pickel ausbrechen und fertig. Motor an und nach ein paar heftigen Rupfern, dazu noch über die Winsch, ist es vollbracht. Ich bin frei und lege den Gang ein. Ist das eine Drecksarbeit, doch ich bin mega Happy. Alles säubern und den engen, kleinen Seitenkanal hoch zur Brücke. So bin ich für die acht Uhr Öffnung mehr als bereit.

Die Brücke von Wrightsville Beach ist hier und sollte sich gleich öffnen

Dann endlich, geht die Sirene los und die schwere Brücke geht langsam hoch. Sehr, sehr gut. Eine Stund später sollte ich schon die nächste anpeilen. Mit dieser neunen, fantastischen Navi-Software ist es ein Leichtes, genau zu schauen, wann ich dann dort sein sollte. Fünf Minuten vorher stehe ich vor dieser Drehbrücke und schon bewegt sie sich.

Die Drehbrücke von Figure Eight Island

Wie schon den ganzen Morgen, stösst mich der Wind durch den Kanal. Die Segel sind auf jedenfalls gesetzt. Es sind noch ein paar Untiefen zu durchfahren, aber alles ohne Probleme. So komme ich kurz nach drei Uhr an meinem Ankerplatz für die nächste Nacht an. Es ist eine alte Armee-Anlage, die grosszügig ausgebaggert wurde und jetzt für zahlreiche Boote zur Verfügung steht. Weit hinten suche ich mir in der Nähe des Craig Point einen Platz für den Ankerwurf. Passt alles ohne Probleme und so rudere ich schon ein paar Minuten später an Land. Mal sehen, was das hier eigentlich ist.

Die grosse Bucht neben dem Craig Point

Eine grosse Rampe finde ich an Land vor. Sonst nix und so rudere ich etwas durch die Gegend. Zum Znacht bastle ich einen feinen Salat. Kaum ist die Sonne weg, kommt der grosse, grosse Mond und verzaubert die ganze Bucht in eine mystische Landschaft.

Magische Lichter

Verrückte Sache. Fast gleichzeitig buche ich einen Platz an Land, damit ich all die Reparaturen richtig machen kann und auch das dringend, dringend nur noch schwach bemalte, abgeschliffene Unterwasser neu streichen kann. Dazu den Wassersammler demontieren und natürlich die ganzen Probleme der Messgeräte. Dazu entschliesse ich mich, für ein paar Wochen in die Schweiz zu fliegen. Es stehen so viele Unterschriften an, die ich nicht übers E-Mail erledigen kann. Dazu die Einsamkeit, die ich ganz gerne zu Hause bewältigen möchte. Ob das auch gelingt? Keine Ahnung. Doch es entspannt die ganze Sache massiv. Ich bin gerade viel, viel lockerer drauf. Schlaf auch ausgezeichnet.

Heute gehts nach Morehead hoch. Nur noch etwas mehr als 35 Meilen durch diesen Kanal. Zuerst muss ich aber eine Brücke erwischen. Ich plane für die 9:30 Uhr Öffnung. Ziehe die Kette ein und mit einem Ruck auch den Anker. Der Puls ist hoch und ich benötige ein paar Minuten, bis er wieder auf normalen Zustand zurückgegangen ist. Dann raus aus der Bucht und rund um den ersten Ecken. Etwas gar eng und untief. Braucht eine gewaltige Portion Mut, der Karte, GPS und nicht dem Gefühl nachzufahren. Durch! So kann die Brücke kommen. Setze die Genua für den unterstützenden Süder und bin fast zu schnell bei der Onslow Brücke. Kurz warten. Dann ist es so weit. Durch die Brücke, berge ich die Segel kurz und gleich nach der Durchfahrt ziehe ich sie wieder hoch. Doch was ist das? Keiner der anderen fährt weiter. Alle warten und drehen ab. Das gibt es doch nicht. Natürlich habe ich meine gute Mühe, die Segel gleich wieder zu bergen, abzudrehen und auch noch kurz nachzufragen, was den hier abgeht. Denn der Funk ist mit einem Notfall, ein Kat hat sich scheinbar überworfen und ist gekentert, blockiert. Es ist eine Schiesswache, die mir sagt, geschlossen bis 11 Uhr. Bravo. Aber ich habe doch keine Ankerwinde! Tja, so drehe ich im schmalen Kanal ab und versuche zu Ankern. Aber ehrlich, ich habe kein Gefühl dafür. So werfe ich einfach die Kette los und warte. Blöd, bin doch tatsächlich viel zu nah an meinem Nachbarn. Stelle dennoch den Motor ab und harre der Dinge, die da kommen. Dann passiert das, was eigentlich fast nie in diesem Schlamm passiert, ich slippe! Genau! Super der Nachbar ist extrem freundlich und motort samt Anker und seiner Kette etwas weg, so habe ich Raum für meinen Kraftakt. Doch es geht recht zügig und ich bei wieder frei. Alles bestens. Entschuldig mich nochmals und warte mit laufendem Motor, bis der Kanal wieder freigegeben wird. Das Schiessen ist endlich beendet und ich gurke los. Auch die Segel ziehe ich zögerlich raus. Stolz, ja das bin ich wirklich. Jetzt kann ich sogar von Hand ankern 😉 Auch bewundere ich diejenigen, die überhaupt keine Winsch haben und das immer, immer von Hand machen. Wahnsinn! Weiter gehts. Bis zu meinem Steg in Morehead ist die Landschaft nicht mehr so lässig. Fast schon langweilig. Doch mit der Strömung und dem strammen Wind komme ich sensationell durch und umfahre die vorgelagerte Insel von Morehead bereits um fünf Uhr. Den Steg sehe ich von Weitem und auch die helfenden Hände sind bereit. Gutes Gefühl, erwartet zu werden. Aber es ist nicht ganz so trivial, in meine Box zu kommen. Etwas Strömung mit einer guten Prise Wind macht es etwas anspruchsvoll. Doch nach ein paar Versuchen wage ich es mit Vollgas hinein. Passt alles und mit Applaus, tja wäre nicht nötig gewesen, tut aber doch unwahrscheinlich gut, setze ich die Ulalena an den Steg. Die Erleichterung ist riesig! Habe ich mir doch vorgestellt, doch noch den Anker zu werfen, wenn das mit dem Platz nicht klappen sollte. So begrüsse ich meine neuen, alten Nachbarn. Mal wieder an einem Steg und montiere alle nötigen Festmacher. Herrlicher Platz. Mitten im Dorf. Kurz duschen und ab in die Beiz etwas Feines essen. Es wird mal wieder spät, doch es tut einfach unheimlich gut.

Am nächsten Tag buche ich noch den Flug, ja, ich muss einfach nach Hause. Es zieht mich ganz einfach. Kann es nicht erklären. Macht aber auch überhaupt nichts, denn die weiteren Pläne sind alle ohne Termine und nur im Kopf schon fix fertig. Aber wann ich sie umsetze, ist gerade völlig egal. Doch die Ankerwinde muss jetzt rein. So bereite ich alles vor. Das alte, kaputte Brett raus und ein neues, stabiles Ding wird exakt angepasst. Wunderbar. Meine neu gekaufte Wundermaschine tut ihren Dienst ohne Murren. Das sieht ja richtig professionell aus. Dazu die Unterstützung der Nachbarn ist unbezahlbar. So versuchen wir am späten Nachmittag das ganze ein erstes Mal mit Expo zu fixieren. Die Anleitung ist bestens studiert und alles liegt bereit. Die Handschuhe werden montiert und das Expo ist schon gut gemischt. Der Start ist leicht, doch als die Matte drauf soll, verfestigt sich das klebrige Gel viel zu schnell. Das gibt es doch nicht. Doch die Anleitung sagt nichts Falsches und so ist der Frust gross. Alles wieder raus oder warten bis es ganz trocken ist?

Ganz schön kleberig

Doch wir wollen heute Abend an ein Konzert im nahen Beaufort. Der Uber ich bestellt und wir sind entklebt, also geduscht und bereit für die Musik.

Etwas überfordert von den vielen Leuten

Viele Leute, recht gute Musik und ein komisches Anstehen für Essen und Trinken. Dazu das obligate Einholen der Alkohol Bewilligung. Speziell. Hat mega spass gemacht, mal wieder unter die Leute zu kommen.

Am Samstag finden wir noch einen absolut genialen Hardware-Store. Gleich nebenan spüren wir viel fehlende Teile auf. Dazu neuen Epoxy-Kleber. Der bekannte von WestSystem ist mir viel geläufiger und so finden wir uns bald wieder im Ankerkasten und pflastern die nächste Schicht hinein. Viel, viel besser. Zieht nicht gleich an und lässt sich hervorragend dosieren und verarbeiten. Glücklich, wirklich überglücklich, dass wir das Projekt doch noch retten konnten. Gute Erfahrung! Ich bin wieder den ganzen Tag mit der Aktion beschäftigt. Doch den Abend gehört uns allen. Wir spazieren über die Brücke und finden eine exquisite Beiz in Atlantic Beach. Im “The Island Grille” essen wir wirklich wie die Fürsten. Passt doch ausgezeichnet zum Abschluss des Projekts. Diese Wand neben unseren Schiffen sehe ich auf dem Nachhauseweg erst jetzt. Was für ein talent!

Gewaltiges Bild

Am nächsten Tag, schon wieder Sonntag, kontrolliere ich zuerst den Ankerkasten. Ist er schon hart, trocken, fest?

Gar nicht schlecht herausgekommen

Erfreulich, nehme ich zur Kenntnis, es ist ein Erfolg. Das sollte mehr als halten und muss nur noch mit Farbe angestrichen werden. Doch ich habe den Platz nur noch bis maximal elf Uhr. So bin ich völlig platt. Esse etwas Zmorge, noch ein paar E-Mails lesen, beantworten und alles fürs Auslaufen bereit machen.

Unser schöner Steg mitten im Dorf Morehead

Laufe noch kurz um die Anlage und mache mich bereit fürs Ablegen.

Herrlich gelegen

Danke, einfach nur ein ganz grosser Dank für die Eigner der Seppi! Ihr wart und seid mir eine grosse Hilfe und wir hatten einfach eine unglaublich, grandiose Zeit zusammen.

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