Immer Regen, immer Nebel und mit der Tide kommt man sowieso schlecht zu recht. Ist das wirklich so? Ich wollte es wissen und buchte einen Platz auf der Sailing Swiss III. Die Idee war von Schottland nach Dublin zu segeln.

Der Flug über Düsseldorf nach Glasgow verlief ohne Probleme and auch mein Skipper habe ich sofort beim Autoverleih getroffen. Vorher hatten wir eine Proviantsliste mit allen Crewmitgliedern zusammen gestellt und auf dem Weg nach Oban gehen wir gross einkaufen. Jeder mit einem Teil der Liste bewaffnet, durchforstete den Supermarkt. Nicht so einfach! Dinge auf dem Zettel waren nicht auffindbar, aber andere sahen Super aus, wurden aber nicht gewünscht. Die Frist Lady wusste immer Rat. Endlich fertig und abfahren.

Die Fahrt ist genial schön. Schau mal diese Tal an!

Schottland pur!

Durch Täler, über Pässe, an Fjorden entlang und an Dörfer und Schlösser vorbei, erreichen wir am Abend endlich Oban. Regen? Etwas diesig, aber sonst … es ist halt der Norden. Und hier steht sie nun. Unser zu Hause für zwei Wochen.SY Sailing Swiss IIIAber übernachten dürfen wir noch nicht. Die vorherige Crew ist noch an Bord und ist gerade am putzen. Hunger? Ja das währe etwas. Eine feines Lamm mit viel Gemüse. Lecker. Ich bleibe 😉

Am nächsten Tag können wir dann endlich unsere Kojen beziehen, müssen aber noch auf Verstärkung warten. Die sollten doch schon lange hier sein? Gerade rechtzeitig kommen die beiden über den Stag, damit wir zusammen das Boot übernehmen können. Was ist kaputt, was geht nicht oder vor allem, was muss beachtet werden und wie ist die Bedienung. Super Schiff! Alt aber gut im Schuss. Alles ist da. Ja da muss ich mir dann während des Törns das eine oder andere etwas genauer anschauen.

Was macht das Wetter? Wie und wann ist die Tiede. Was ist der Plan etc. Es gibt noch viel zu besprechen. Alle sind doch sehr gespannt auf das was Morgen kommt.

Es geht’s endlich los. Der Skip legt ab mit Kurs Tobermory. Wind und Tiede stimmen und so sausen wir dem offenen Meer entgegen. Wie das rauscht! Cool. Zum Teil haben wir etwas Regen und auch die ersten kleinen Eddies und Races sehen und vor allem spüren wir. Interessant, sehr interessant.

Schloss, Eddies und Wetter ....

Nach einem kurzen Gewitter mit bis zu 31 kn Windböen erreichen wir schon bald Tobermory. Und wie ist das Ding eigentlich zu steuern? Wie ein Panzer. Ich habe manchmal das Gefühl, die HR hat überhaupt kein Limit. Ruhig und sauber, zieht die Sailing Swiss ihre Bahn. Dass ist nun eine HR! Davon habe ich schon viel gehört und auf den Messen angeschaut. Jetzt endlich in echt.

Wir verholen uns an einen Schwimmsteg und spazieren durch die schön bunte Stadt. Die “Shoppingmeile” ist recht gediegen, aber nicht viel los. Uns gefällt’s.

Tobermory in bunt

Am nächsten Tag geht’s mit SW Winden den gleichen Weg zurück. Wieder über die Eddies und Races in eine südlich Bucht hinter Oban.

Zurück über die Eddies

Ardfern wollen wie ansteuern. Aber halt, was ist das? Hier hat es vor dem eigentlich Dorf ein Bojenfeld. Kommen wir den da rein? Was sagt der Hafenführer? Alles okay Skip? Versuchen wir’s und schon drehe ich ab und mit viel Platz unter dem Kiel erreichen wir die schöne Bucht. Hat viel schlimmer ausgesehen als es war.

Ardfern Bojenfeld

Lasso werfen sollen wir üben. Super Idee! Noch nie gemacht, klappt aber wunderbar. Wieder was gelernt. Dann ab ih die Küche. Heute habe ich Dienst und soll etwas zum Znacht basteln. Gemüse-Omelett. Nicht schlecht. Ob’s denn andern auch schmeckt? Keiner mäckert. Also nicht versalzen 😉

Am nächsten Tag geht es grau in grau nach Craighouse auf Jura. Da soll es eine Super Scotch Whisky Distillery geben. Das muss einfach sein. Wir legen total “vernebeln” wieder an einer Boje an und sehen schon die Distillery in den “Wolken”. Per Händy erfahren wir das leider alles ausgebucht ist und auch Morgen ist alles voll. Aber der Shop ist natürlich offen. Wollen wir? Bei diesem Wetter? Es hat ja nur ein Hotel mit der Distillery. Nö. Wir bleiben und machen eine feinen Znacht. Das Schlafen ist nicht so gediegen. Wind, Regen, Schwell … zum Glück habe ich einen guten Schlaf.
Da wollen wir weg. Immer noch grau und so verlassen wir den eigentlich schönen Platz und mit Rückenwind geht’s zum Eingang des Crinan Canal. Schleusen zum selber bedienen! Cool. Das machen wir doch. Alle sind dabei und schon sind wir in der ersten Schleuse.

Einfahrt Crinan Canal

Beim Hotel Crinan gehts nun los. Alle sind etwas aufgeregt. Im Wattenmeer hatten wir das schon mal. Aber so eng und vor allem so viele, das hatten ich noch nie. Spannend.

Ausfahrt der zweiten Schleuse

Ja die Ausfahrt ist die Wucht. Aber was ist den mit den “Gegnern”? Da hat ja kein zweites Boot Platz. Ich setze mich an den Bug und halte Ausschau. Da, der erste kommt. Kein Problem. Wie in der Bergen. Jeder macht Platz und schaut auf den andern.
Wir finden einen schönen Steg, für uns ganz alleine. Eine Wucht!

Unser Parkplatz

Duschen? Ja es soll was geben. Die Girls gehen auf die Suche. Etwas weiter vorne soll was geben. Ein Kanal, eine Brücke, ein paar Boote und dann das Wärterhaus mit einer Dusche. Wow. Wie im Film!

Dusche mit Brücke

Am nächsten Tag ist dann Handbetrieb, “krampfe”, angesagt. Viel handbetriebene Schleusen müssen bewältigt werden. Zuerst das Wie, Was, Wo, dann einfach nur Plausch.

zweite Schleuse Sieht schon cool aus, wenn man’s mal draussen hat, wie das ganze funktioniert. So simple. Auch die ganzen Informationen über das warum und vor allem, was früher hier so abgegangen ist. Überall stehen Tafeln. Natürlich dürfen die vielen Zuschauer nicht fehlen. Die uns manchmal unterstützen.

Schleuse zuzweit

Schon bald erreichen wir die letzte Schleuse und fahren wie auf einer Strasse mitten durch die Stadt Ardrishaig.

Strasse durchs Dorf

Am Leuchtturm vorbei.

Leuchtturm von Ardrishaig

Tide, Strömung. Wir kommen wieder. Einen kurzen Schlag, leider mit wenig Wind, geht’s gegen Süden. Rechts hinein in einen schönen Arm mit der schönen Stadt Tabert am Ende.

Hafen von Tabert

Im feinen “Seastar” lassen wir es uns wohl ergehen. Das schmeck fantastisch!
Es ist schon Freitag und ich sollte endlich meine Radarfahrt machen. Campbeltown hat auch wieder eine lässige Einfahrt und da muss ich mich bewähren. Die letzten Tag hatte ich den Radar ausgiebig testen können. Nun habe ich die Aufgabe, nur mit dem Radar in den Hafen zu navigieren. “Mein” Steuermann hatte natürlich leichtes Spiel. Mit guter Sicht kein Problem. Nur ich unten im Keller war im Nebel. Und tatsächlich, wir sind ohne Probleme angekommen. Cooles Gefühl!

Hafen von Campbeltown

Über Stranraer, mit der Pricken Einfahrt geht’s endlich zu einer berühmt, berüchtigten Insel Namens Isle of Man. Wir wollen in den Hafen rein, aber das geht nur mit Hochwasser. Also beginnt das grosse Rechnen. Wann ist Hochwasser und wieviel Wasser brauchen wir unter dem Kiel oder besser über der Schwelle. Zweit Stunden vor dem Hochwasser reicht, aber das ist erst um drei Uhr in der Nacht. Spät los, also Nachtfahrt oder können wir vor Peel an einer Boje, Steg oder sogar ankern, und den Tag mit segeln geniessen. Laut Reeds könne wir vor Ort festmachen und bis zum Hochwasser warten.
Mit einem schönen Wind verlassen wir Schottland und segeln zur Insel. Um neu Uhr erreichen wir den Aussen Hafen von Peel und dürfen an einem Fischerboot festmachen. An der endlosen Spundwand währe es etwas schwieriger für uns.

Peel Aussenhafen

Mir dem Leuchtturm im Blickfeld essen wir Znacht. Super, dass es geklappt hat. Jetzt müssen wir nur noch die Lichter der Brücke sehen, damit wir wissen wann’s los geht. Gute Nacht.
Schlafbetrunken lassen wir kurz vor drei den Motor an und schlängeln uns in den Hafen. Auf dem Kanal 12 vergewissern wir uns noch kurz. Mit 3.7 Meter Wasser überqueren wir die “kritische” Schwelle. Einmalig! Wir nehmen die erste Box und hauen uns wieder auf’s Ohr.
Was für eine Stadt! Der Hafen liegt mitten in Peel und davor die grossen Festung und ein “Berg” daneben. Gewaltig.

Peel

Die “Wanderung” ist eine gute Abwechslung, die Beine wieder einmal zu vertreten. Bei einer so schönen Stadt kein Problem. Die Stimmung – traumhaft!

Der Hafen von Peel

Zwei Tage machen wir die Stadt unsicher und können nicht genug davon bekommen. Von der Geschichte, das immer mit dem Meer und den Fischern zu tun hat, bis zum Töffrennen. Alles wird erforscht.

Schloss von Peel

15:30 oder 3:30 Uhr. Wir wollen früh los, denn wir wollen noch das Calf of Man mit dem ChickenRock anschauen. So rauschen wir um halb vier über die Bare von Peel und segeln der Westküste entlang nach Süden. Wir allen geniessen es einfach ….

Sonnenaufgang entlang von PeelChicken RockWir drehen ab und verlassen die eindrückliche Insel. Irland wir kommen. Ich widme mich dem AIS Studium und test was das Zeugs hält. Schon cool dieses Ding! Und vor allem es mal Live und in Farbe zu testen ist schon genial. Schon wieder etwas der Wunschliste angehängt.
Schon bald erreichen wir Irland und verzeihen uns an einen Steg von Ardglass. Nicht viel los hier. Ein schöner Golfplatz direkt am Meer, ein feines, uriges Pub und furchtbar nette Fischer. Sie schenken uns sogar ein paar Fische. Danke!
Im ganzen Hafengelände hat es unzählige Seehunde. Die Strände sind zwar recht schmutzig, aber die “Viecher” fühlen sich hier pudelwohl.

Seehunde beim Mittagsschlaf

Ausschlafen und nach einem feinen Zmorge legen wir in Richtung Carlingford ab. MOB und Radar müssen wieder einmal ausprobiert und trainiert werden. MOB geht noch so einigermassen, aber mit dem Radar gilt es Ernst. Ich muss den Steuermann wieder nur mit Hilfe des Radars in den Fjord bringen. Als wir mitten im Fahrwasser sind, taucht auch schon der erste “Gegner” auf. Wow, der ist aber gross! Der Skipper macht den Test mit dem GPS.

Kollision

Gutes Gefühl! Wir verholen uns in die baufällige, verlassene Marina. Die Altstadt ist nicht weit und soll sehr schön sein. Und wir werden nicht enttäuscht. Lässige Gassen mit gediegenen Pub’s. Genau! Ein richtiges Guinness muss her!

Carlingford

Es ist schon Donnerstag und wir haben noch zwei Tags bis Dublin. Aber vorher wollen wir noch einen kurzen Schlag in die Marina von Howth machen. Eilig haben wir es nicht und so üben wir noch etwas. An und ablegen in der Marina. Etwas früh am Morgen, aber mit viel Seitenwind Super für die Praxis.
Vorbei an der schönen Landschaft segeln wir Dublin entgegen.

Ausfahrt Carlingford

Wir biegen ums Eck und wollen einen Platz in der Marina. Hmm. I’m sorry! Sagt der Chef. Alles ausgebucht, wir haben Heute und Morgen eine grosse Regatta und leider keinen Platz für euch. Schade. So müssen wir uns beeilen. Durchs Fahrwasser direkt nach Dublin. Wer hat das vorbereitet? Keiner. Also runter, die Wegpunkte und den Funk Kanälen raussuchen. Und da sind wir schon. Auf dem Weg nach Dublin Downtown.

Fahrwasser mit Tonnen nach Dublin

Kurz noch auf die andere Seite, der Lotse hat’s gesagt und bewilligt und schon sind wir am Steg der Poolbeg Marina.

Poolbeg Marina

Viel zu schnell sind wir nun in Dublin. Dafür haben wir noch einen Tag für die wunderschöne Musikstadt. Das ist sicher nicht das letzte Mal, dass ich hier bin. Musik überall und die spielen fantastisch. Einer Strassenband schauen wir zu … der Wahnsinn!

Pub in Dublin

Schade. Schon vorbei. War genial ….

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