{"id":32624,"date":"2023-06-08T15:00:00","date_gmt":"2023-06-08T17:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ulalena.ch\/?p=32624"},"modified":"2025-03-20T07:57:15","modified_gmt":"2025-03-20T09:57:15","slug":"26-tage-nur-wasser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ulalena.ch\/?p=32624","title":{"rendered":"26 Tage nur Wasser"},"content":{"rendered":"\r\n<p>Um 6:40 Uhr mache ich einen Logbucheintrag: Wind 155\u00b0, 6 kn, heiter, blau, ruhig, 20.5\u00b0 und 1024.5 hPa.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Wir sind schon auf und laden noch die letzten Wetterdaten auf den PC. F\u00fcr zehn Tage haben wir nun eine Grundlage f\u00fcr unseren Kurs. Doch WetterWelt gibt uns die Koordinaten vor, die wir versuchen anzulaufen. Zuerst noch ein dickes Zmorge und dann lassen wir die Leinen los. Perfektes Wetter f\u00fcr den Start. Die Tide stimmt auch.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\">\r\n<figure class=\"aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.ulalena.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Image-16-scaled.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-32613 size-medium\" title=\"Jetzt kann losgehen\" src=\"https:\/\/www.ulalena.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Image-16-225x300.jpeg\" alt=\"Jetzt kann losgehen\" width=\"225\" height=\"300\" \/><\/a><\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Mit etwas Str\u00f6mung motoren wir dem offenen Meer entgegen. Kaum frei von Untiefen, setzen wir Segel. Erwin pack noch alles zusammen. Tja, diese Leinen brauchen wir lange nicht mehr.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\">\r\n<figure class=\"aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.ulalena.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Image-1-2-scaled.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-32616 size-medium\" title=\"Erwin schiesst alle Festmacher auf\" src=\"https:\/\/www.ulalena.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Image-1-2-300x225.jpeg\" alt=\"Erwin schiesst alle Festmacher auf\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/a><\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Sind es 21 oder 23 Tage? Wie ich mal grob veranschlagt habe? Wir lassen uns \u00fcberraschen. Esswaren, Wasser und Diesel haben wir sicher genug. Wir segeln gem\u00fctlich in Richtung S\u00fcden, dem Cape Lookout entgegen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\">\r\n<figure class=\"aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.ulalena.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Image-2-2-scaled.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-32618 size-medium\" title=\"Cape Logout kommt n\u00e4her\" src=\"https:\/\/www.ulalena.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Image-2-2-225x300.jpeg\" alt=\"Cape Logout kommt n\u00e4her\" width=\"225\" height=\"300\" \/><\/a><\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Am Mittag, 12:30 Uhr, erreichen wir die letzten Untiefen von Kap und drehen jetzt definitiv in den weiten, grossen Atlantik ab. Der S\u00fcdwind seht uns ausgezeichnet bei und so fahren wir erst einmal der K\u00fcste hoch. Bis zum Cape Hatteras sollten wir schon H\u00f6he machen. Dann mal sehen, wie es mit dem Wetter aussieht. Die Nacht ist etwas gar unruhig. Nicht das Wetter oder der Wind, nein wir sind es ganz einfach noch nicht ans Schaukeln gew\u00f6hnt. Mit H\u00e4nden und F\u00fcssen bewegen wir uns vorw\u00e4rts. Kochen ist etwas gar gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig. Erwin hat seine liebe M\u00fche, dass alle Zutaten and seinem Platz bleiben. Doch das Resultat ist immer hervorragend. Wir geniessen es, zusammen zu Essen. Wenn nur das bl\u00f6de Schauken nicht w\u00e4hre!<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Es ist Mitternacht und das letzte Kap querab. Der Wind dreht sich auch schon mehr gegen Westen. Neuer Kurs, direkt auf die Azoren. Im AIS sehen wir die letzen Schiffe. Es werden immer weniger. Der Samstag ist schon viel besser. Mit etwas mehr als 12 Knoten Wind und zum Teil \u00fcber 7 Knoten Geschwindigkeit kommen wir super voran. Dazu schiebt uns der Golfstrom m\u00e4chtig an. Der Wind dreht am Sonntag noch mehr auf und erreicht fast die 20er-Grenze. Reffen! Wir m\u00fcssen reffen. Die folgende Nacht wird wirklich angenehm. Etwas schlafen und alle Stunde mal die Segel, Kurs und die anderen Schiffe pr\u00fcfen. Alles paletti! Der 15. Juni, Montag, 16.7 Knoten Wind von Norden trage ich in Logbuch ein. Passt doch so weit. Erwin macht ein geniales Fr\u00fchst\u00fcck. R\u00fchrei! Doch am Abend ist fertig lustig. Flaute. Wir schmeissen den Motor an. Frust. Jetzt schon? Doch um Mitternacht kommt der Wind zur\u00fcck. Segel hoch! Und den Pitsch, also die Windfahne wieder einstellen. In der Nacht gar nicht so einfach. Segel hoch, Kurs mit dem Autopiloten, elektrischen, festnageln und dann den Pitsch einstellen. \u00dcbernehmen und den Autopiloten wieder abstellen. Schlafen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Die Meldung von WetterWelt am n\u00e4chsten Tag k\u00fcndigt eine Front an. Sie schreiben: \u201cKurs bis 62\u00b0 W halten, bis Front durch ist, NE Wind nach Norden bis 38\/38\u00b0 N am 18.5. Front 35\u00b0 30\u2019 N abwettern. Wind wird auf rechts drehen.\u201d Uuii, hoffentlich ist das Ding nicht gar zu stark, denken wir. Doch es wird recht unangenehm. Wind bis \u00fcber 34 Knoten, Schauern und heftigen B\u00f6en begleiten uns die ganze Nacht. Immer mal wieder raus und das Ganze anschauen. Doch es ist nass draussen, \u00fcberaus nass! Das Etmal ist am n\u00e4chsten Tag auch darum sehr hoch. Ganze 162,7 Meilen sind wir dem Ziel n\u00e4her gekommen. Es ist schon der sechste Tag auf dem Atlantik. Der Wind dreht immer mehr. Mit diesem Kurs fahren wir nach Afrika, sagt Erwin nur. Also legen wir Kurs Nord. Segel gut einstellen und ab geht die Post. Wir kommen zwar den Azoren nicht n\u00e4her, aber eben wie WetterWelt gesagt hat, dreht der Wind sp\u00e4ter zur\u00fcck und dann, dann k\u00f6nnen wir wieder Kurs auf unser Ziel anlegen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Wir haben uns langsam ans schaukeln gew\u00f6hnt. Haben unseren Rhythmus in etwa gefunden und k\u00f6nnen auch ein paar Stunden schlafen. Essen ist aber immer noch eine Herausforderung. Am Koch liegt es sicher nicht, der macht seine Sache wirklich gut, aber wir haben einfach keinen Appetit. Auch das Trinken ist solch eine Geschichte. Wir m\u00fcssen uns regelrecht zwingen, gen\u00fcgen zu uns zu nehmen. Ich f\u00fclle jeden Tag unsere \u201cRation\u201d in unsere PET-Flaschen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Endlich dreht der Wind wie angek\u00fcndigt nach Norden und so gleiten wir fast unbemerkt mehr gegen Osten. Pitsch macht ganze Arbeit und steuern und dem Wind entlang. Langsam, ganz langsam dreht sich die Nadel auf dem Kompass. Wunderbar. Wir sind ganz zufrieden. Alles passt und funktioniert. Die Segel, das Reffen, das Wetter wird wieder besser und wir haben, ausser dem Schaukeln, nichts zu beklagen. Vorsicht, man soll den Tag nicht vor dem Abend loben und genau so kommt es auch. Am Montag, 22. Mai, zehnter Tag auf dem Wasser, l\u00e4uft die Ulalena auf einmal aus dem Ruder! Dreht einfach ab. Nicht schon wieder diese Algen, denke ich laut. Doch nichts ist am Ruderblatt von Pitsch. Da, da sehe ich den Schlamassel. Das Blatt ist weg, ab, fort! Sofort bringe ich das Schiff auf Kurs und h\u00e4nge den Autopiloten rein. Ziehe den Pitsch hoch &#8211; Schockstarre!<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\">\r\n<figure class=\"aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.ulalena.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Image-3-2-scaled.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-32620 size-medium\" title=\"Pitsch hat was verloren\" src=\"https:\/\/www.ulalena.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Image-3-2-225x300.jpeg\" alt=\"Pitsch hat was verloren\" width=\"225\" height=\"300\" \/><\/a><\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Ungl\u00e4ubig schauen wir uns das nun an. Das gibt es doch gar nicht. V\u00f6llig ratlos schauen wir uns an. K\u00f6nnen wir ununterbrochen mit dem Elektoding segeln? Reicht die Batterie daf\u00fcr? Ausprobiert habe ich das nat\u00fcrlich nie. Wer kommt schon darauf. &#8211; Der Hersteller muss ran. Oder mindestens hat er eine Idee. E-Mail an WindPilot und prompt erhalten wir gute bis sehr gute Informationen. Wie wir Pitsch verarzten k\u00f6nnen. Die ganze Nacht haben wir mit dem anderen Autopiloten gesteuert, und zwar mehr als gut. Jetzt bei Tag suchen wir das ganze Schiff nach einem passenden Holzst\u00fcck ab. Was ist mit dem? Oder das? Wir haben viele Optionen, zum Gl\u00fcck. Doch erst als wir die \u201cAnleitung\u201d nochmals durchlesen, f\u00e4llt uns das mit dem Anker oder Ankerschaft auf. Einen Anker, einen Schaft? Ja, das habe ich in der Backkiste. Raus und Hammer! Die Dicke, die L\u00e4nge und sogar das Loch passen wie angegossen. Doch wir haben ein weiteres Problem. Der Wind verabschiedet sich und wir m\u00fcssen den Motor starten. Weiser Rauch! Auch das noch. Der Fehler ist bekannt. Zum Gl\u00fcck. Der Wasserpumpenriemen ist lose, sprich zu d\u00fcnn, um die Pumpe anzutreiben. Ein Neuner ist in Griffweite, auch schnell montiert. Motor l\u00e4uft wieder! Auch der Pitsch haben wir mit dem Ankerschaft aufgepeppt. Sieht doch ganz ordentlich aus?<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\">\r\n<figure class=\"aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.ulalena.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Image-4-2-scaled.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-32621 size-medium\" title=\"Pitsch 2.0\" src=\"https:\/\/www.ulalena.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Image-4-2-225x300.jpeg\" alt=\"Pitsch 2.0\" width=\"225\" height=\"300\" \/><\/a><\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Vielen Dank dem WindPiloten-Macher! Ausprobieren k\u00f6nnen wir ihn nicht, der Wind fehlt. Die ganze Nacht Motoren wir. Doch als ich den Kurs kontrolliere, sehe ich, dass wir Kreise drehen. Erwin kennt das und wir restarten das Ganze. Passt wieder. Doch dann kommt in der Nacht, wann dann sonst, auch noch der Baum r\u00fcber. Raus und checken. Der Sch\u00e4kel ist weg. Das kleine Ding ist auf und davon. Habe ich den beim Rigg-Check vergessen? Ist er gebrochen? Egal. Im Ersatzteillager finde ich schnell einen passenden Ersatz und will in montieren. Wind und Regen erschweren mir die Sache ungemein. Erwin unterst\u00fctzt mit Licht. Doch da ist noch ein weiteres Problem. Durch unseren Stillstand kommt ein Frachter bedrohlich zu nahe. Einen Funkspruch an ihn und er macht einen etwas gr\u00f6sseren Bogen um uns. Zur\u00fcck zum Sch\u00e4kel. Der ist nun im nu montiert und der Baum wieder in seiner urspr\u00fcnglichen Position. Weiter segeln. Ich bin m\u00fcde, sehr m\u00fcde und \u00fcberlasse Erwin die Wache.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>N\u00e4chster Tag. Schon elf Tage auf See. Es kommt eine Meldung von WetterWelt rein. Starkregen und ein Tief mit bis zu 40 Knoten Wind! Und das f\u00fcr heute Abend. Wir bereiten alles vor. Dann geht los mit dem Tanz. Doch mit sehr wenig Tuch ist es recht \u201cangenehm\u201d. Es l\u00e4sst sich auch mit \u00fcber 30 Knoten Wind gut aushalten. Der Kurs stimmt und auch die Geschwindigkeit ist mehr als gut. Am Morgen l\u00e4sst der Wind langsam nach und pendelt sich bei 15 Konten ein. Geschafft. Das Etmal ist grandios. Ganz 180,1 Meilen haben wir in den vergangenen 24 Stunden abgespult! Wow! Das muss gerade im Logbuch notiert werden.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\">\r\n<figure class=\"aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.ulalena.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Image-5-2.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-32622 size-medium\" title=\"Das Logbuch immer zur Hand\" src=\"https:\/\/www.ulalena.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Image-5-2-246x300.jpeg\" alt=\"Das Logbuch immer zur Hand\" width=\"246\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.ulalena.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Image-5-2-246x300.jpeg 246w, https:\/\/www.ulalena.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Image-5-2-838x1024.jpeg 838w, https:\/\/www.ulalena.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Image-5-2-768x938.jpeg 768w, https:\/\/www.ulalena.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Image-5-2-1258x1536.jpeg 1258w, https:\/\/www.ulalena.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Image-5-2-49x60.jpeg 49w, https:\/\/www.ulalena.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Image-5-2-480x584.jpeg 480w, https:\/\/www.ulalena.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Image-5-2.jpeg 1645w\" sizes=\"auto, (max-width: 246px) 100vw, 246px\" \/><\/a><\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Leider verpassen oder besser, befolgen wir nicht ganz genau den Rat von WetterWelt. Um im Strom zu bleiben, sollten wir nach 39 N gehen. Klappt aber nicht. Der Wind ist \u201cfalsch\u201d und dann h\u00f6rt er auch noch ganz auf. Super. So haben wir nun Str\u00f6mung, nat\u00fcrlich Gegenstr\u00f6mung und m\u00fcssen in den Norden Motoren! Bravo. Ganze zwei Konten \u00fcber Grund messen wir. Die Stimmung ist unter null \ud83d\ude41 Doch nach ein paar Stunden ziehen wir wieder z\u00fcgiger weiter. St\u00f6rung weg, Wind an. Doch das Etmal sagt alles, ganze 85 Meilen sind wir weiter gekommen, halt, das war durchs Wasser. Also \u00fcber Grund, fast unterirdisch.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Es ist Sonntag, Sonntag, der 28. Mai und wir haben einen wirklichen Sonnentag. Super Wind und wieder Str\u00f6mung, die uns schiebt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\">\r\n<figure class=\"aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.ulalena.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Image-6-4-scaled.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-32614 size-medium\" title=\"Wunderbares Segeln\" src=\"https:\/\/www.ulalena.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Image-6-4-225x300.jpeg\" alt=\"Wunderbares Segeln\" width=\"225\" height=\"300\" \/><\/a><\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Doch die Prognosen von WetterWelt sind nicht so gut. Wenig Wind, falschen Wind und erst noch ein m\u00e4chtiges Tief, dass unter uns durchrauscht. Wir k\u00f6nnen gar nicht dar\u00fcber nachdenken. Das n\u00e4chste Malheur. Das Genua hat sich dummerweise an der Radarantenne verfangen! Nicht das Tuch, sondern die Leine am Ende des Tuches. Die Jakobsleine. Der Schutz um diese Leine ist \u201cmorsch\u201d und so verf\u00e4ngt sich die Leine an beliebiger Stelle und reisst immer mehr auf. Bl\u00f6d! Saubl\u00f6d. Wir m\u00fcssen die Genua, also eine neues Vorsegel setzen. Ich grabe unter meiner Koje und schon bald ist das neue Ding angeschlagen. Einpacken, zusammenlegen der defekten Genua ist bei diesem Platzangebot doch eine fast gr\u00f6ssere Herausforderung \ud83d\ude09 Durchsetzen und weiter ziehen wir in Richtung Horta. \u00dcbrigens, der Pitsch 2.0 funktioniert hervorragend. Auch durch die Idee, Modifikation mit dem Holzst\u00fcck am Ende des Ankers, hat Erwin ganze Arbeit geleistet.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Da, da, ein Wal! Hinter uns verabschiedet sich gerade dieses stolze Tier. Eine kleine R\u00fcckenflosse deutet auf einen Finnwal hin. Verr\u00fcckt und wundersch\u00f6n, solche Gesch\u00f6pfe in freier Wildbahn zu sehen!<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Mittwoch, der letzte Tag im Mai und wir sind immer noch gut 500 Meilen von Horta weg. Das mit dem 4. Juni, also 23 Tage, wird etwas gar knapp. Da m\u00fcsste der Wind und das Wetter vollends 100\u00a0% mitmachen. Tut es aber nicht. Denn der dreht wie schon fast vermutet und angek\u00fcndigt immer mehr gehen Osten. Genau gegen Osten, genau da m\u00fcssen wir aber hin. Die Windst\u00e4rke ist mit manchmal \u00fcber 20 Konten wunderbar, doch wir m\u00fcssen zwangsl\u00e4ufig aufkreuzen. Mal nach Norden und mal nach S\u00fcden. Wir haben langsam aber sicher genug. Wir wollen so schnell wie m\u00f6glich an Land. Denn auch das Lesen, das H\u00f6rb\u00fccher h\u00f6ren oder Schlafen haben wir endg\u00fcltig gesehen. Es dauert bis fast bis am Montag, dem 5. Juni, bis wir endlich, endlich direkten Kurs zur Insel Faial anlegen k\u00f6nnen. Segeln konnten wir immer wunderbar. Je n\u00e4her wir kommen, desto mehr Tiere sehen wir. Delfine, die kleinen, braunen, sehen wir en masse. Herrlich, diese eleganten Tiere von ganz nah zu beobachten. Sie spielen mit den Wellen und begr\u00fcssen uns. Dann sind es nur noch 200 Meilen. Bis zum Hafen! Yupieee! Der Wind wird immer besser und da stehen wir fast urpl\u00f6tzlich vor einem unbekannten Land. Faial kommt in Sicht!<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\">\r\n<figure class=\"aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.ulalena.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Image-7-2-scaled.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-32615 size-medium\" title=\"Faial in Wolken geh\u00fcllt\" src=\"https:\/\/www.ulalena.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Image-7-2-300x225.jpeg\" alt=\"Faial in Wolken geh\u00fcllt\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/a><\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Alles hat gehalten. Nur die Leine f\u00fcr die Rolle der Genua haben wir gestern noch pr\u00e4ventiv ersetzt. Sonst, ja der Windanzeiger geht immer mehr weg. Keine Anzeige mehr. Doch jetzt ist alles vergessen. Wir n\u00e4hern uns Vollgas dem Land. Schnuppern diesen anderen Duft und vor allem diese gr\u00fcnen Farben entz\u00fccken uns gewaltig. Wir segeln ganz nah an der S\u00fcdk\u00fcsten entlang und geniessen es in vollen Z\u00fcgen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\">\r\n<figure class=\"aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.ulalena.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Image-8-2-scaled.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-32617 size-medium\" title=\"Da gehts lang nach Horta\" src=\"https:\/\/www.ulalena.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Image-8-2-300x225.jpeg\" alt=\"Da gehts lang nach Horta\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/a><\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Wir haben es geschafft. Da ist die Einfahrt zum grossen Hafen, Marina, Ankerfeld von Horta.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<div class=\"wp-block-image\">\r\n<figure class=\"aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.ulalena.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Image-9-2-scaled.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-32619 size-medium\" title=\"Das sehen wir schon die Einfahrt\" src=\"https:\/\/www.ulalena.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Image-9-2-300x225.jpeg\" alt=\"Das sehen wir schon die Einfahrt\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/a><\/figure>\r\n<\/div>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Drin sind wir und werden fast erschlagen. Es hat Hunderte Boote vor Anker. Einen Anruf an die Marina bringt auch nichts. Es gibt eine grosse Warteliste f\u00fcr die Marina, schmeisst mal den Anker. J\u00e4nu! Motor an, Anker vorbereiten und einen freien Platz suchen. Kein Platz oder zu tief. Oder das Eisen h\u00e4lt einfach nicht auf dem Grund. Doch dann schaffen wir es doch noch. Nahe der Marina, also fast an Eingang, finden wir endlich Halt. Ich notiere im Logbuch: 12:30 Uhr, 22.6\u00b0, leicht bew\u00f6lkt, 1013 hPa, 9,4 Meter Tiefe und \u00fcber 40 Meter Kette. Angekommen! Unglaublich! Wir sind nach 26 Tagen, nur Wasser, angekommen.<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um 6:40 Uhr mache ich einen Logbucheintrag: Wind 155\u00b0, 6 kn, heiter, blau, ruhig, 20.5\u00b0 und 1024.5 hPa. Wir sind schon auf und laden noch die letzten Wetterdaten auf den PC. F\u00fcr zehn Tage haben wir nun eine Grundlage f\u00fcr unseren Kurs. Doch WetterWelt gibt uns die Koordinaten vor, die wir versuchen anzulaufen. 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